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Das LichtAktiv Haus: Entwurfsplanung 2020

Modell-Modernisierung sucht nach der Zukunft des Bauens und Wohnens

Hamburg, November 2010. Wie sieht die Zukunft des Bauens und Wohnens aus? Wie lassen sich zukunftsweisende, nachhaltige und klimaneutrale Gebäude bereits heute realisieren? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich die Tageslichtexperten von VELUX im Rahmen des Projekts „Model Home 2020“. In europaweit sechs Bauprojekten sucht das Unternehmen gemeinsam mit Fachleuten neue Wege für das Wohnen und Arbeiten mit angenehmem Raumklima, viel Tageslicht und optimaler Energieeffizienz. Das deutsche Projekt ist die Modernisierung einer Doppelhaushälfte in Hamburg-Wilhelmsburg zum modernen, hellen Null-Energie-Haus.

[Grafik: velux_LAH_grundriss_3]

Grafik: VELUX Deutschland
GmbH

Ein typisches Siedlerhaus
Das Objekt ist ein typisches Siedlerhaus aus den 1950er-Jahren mit knapp 1.100 m² Grundstücksfläche. Neben dem Wohnhaus mit Anbau prägt der große Nutzgarten, der einst die Selbstversorgung der Siedler gewährleisten sollte, die ursprüngliche Grundstückseinteilung. Hier konnten die Bewohner ihr eigenes Obst und Gemüse anbauen. Auch zur Tierhaltung ließ sich das Areal nutzen.

Die unsanierte Doppelhaushälfte kennzeichnen kleine, gedrungene Räume mit insgesamt lediglich 18 m² Fensterfläche. Die Folge: einengende Wohnräume und eine geringe Tageslichtausbeute, die modernen Wohnbedürfnissen nicht entsprechen. Das Projekt soll Aufschluss darüber geben, wie eine Premium-Modernisierung aussehen könnte, die optimale Ergebnisse im Hinblick auf Energieeffizienz und Wohnwert bietet.

Studenten liefern kreativen Input
Der „Siedler-Gedanke“, die Nahrungsautarkie der Bewohner, inspirierte die Entwurfsplanung für die Umsetzung des deutschen Model Home 2020. Unter der Leitung von Professor Manfred Hegger, Lehrstuhl für Entwerfen und Energieeffizientes Bauen an der TU Darmstadt, entwickelten zunächst Architektur-Studenten der Universität im Rahmen eines geschlossenen Wettbewerbs Ideen, Konzepte und Modelle. Die Gewinnerin Katharina Fey nennt ihren Entwurf „…aus eigenem Anbau“. Fey greift die Idee der Selbstversorgung und Unabhängigkeit auf und passt sie an die Vorstellungen der Bewohner des 21. Jahrhunderts an. Statt Gemüse wird nun Energie angebaut. Großzügige Wohn- und Fensterflächen verbinden in Zukunft das Haus mit seiner Umgebung.

Den Siegerentwurf entwickelten VELUX, die TU Darmstadt unter Einbindung der Entwurfsverfasserin und Fachplaner in enger Zusammenarbeit weiter. Das VELUX Kompetenzteam, bestehend aus Architektur- und Lichtplanungs-Experten wie Professor Manfred Hegger und Lichtplaner Professor Peter Andres, FH Düsseldorf, stand beratend zur Seite.

Neu-Zonierung des Grundstücks
Der finale Entwurf, der Ende März 2010 unter dem Namen LichtAktiv Haus in Hamburg vorgestellt wurde, zoniert das Grundstück neu. Während das Wohnhaus in seiner Grundstruktur weitgehend erhalten bleibt, ersetzt ein Neubauriegel den alten Anbau, der ursprünglich als Stallgebäude mit WC und Waschküche diente und heute seine Funktion verloren hat. Der neue Anbau unterteilt den Garten in Aufenthalts- und Nutzgarten. Zudem erweitert er die Wohn- und Nutzfläche und spielt eine zentrale Rolle für das Energiekonzept des LichtAktiv Hauses. Ein eingeschossiger Zwischenbau mit Flachdach, der als Hauseingang und Gartenaustritt dient, verbindet das Bestandsgebäude und den Neubauriegel.

Modernisierung des Bestandgebäudes
Im Erdgeschoss des Bestandsgebäudes löst der zentrale Erschließungs- und Bibliotheksbereich die ehemals kleinteilige und geschlossene Struktur sowohl horizontal als auch vertikal auf und öffnet den Raum bis zum Dach. Diesem Bereich kommt die Funktion einer so genannten Tageslicht-Lampe zu. Dachfenster sorgen dank der neuen, offenen, vertikalen Raumstruktur für viel natürliches Licht und machen die verschiedenen Tageszeiten erlebbar. Die Treppe ist als Mobiliar in die Tageslicht-Lampe integriert. Der untere Lauf der zweiläufigen Treppe ist um 90 Grad gedreht. Die oberen Läufe bestehen aus weißem Stahl und lassen den Raum hell und einladend erscheinen. Das Geländer aus weißem Stahlrahmen erzeugt eine größtmögliche Transparenz. Es entstehen großzügige, Licht durchflutete Wohnflächen für die ganze Familie, die zum gemeinsamen Erleben einladen. Der Treppenraum öffnet sich mit einer Fensterfront auf knapp fünf Metern Länge zum Garten hin und ermöglicht eine ungestörte Sicht ins Freie. Insgesamt erhöht sich die Fensterfläche des Bestandsgebäudes von ehemals 18 m² auf 60 m². Das Erdgeschoss verfügt weiterhin über zwei Kinderzimmer sowie über ein Badezimmer.

Das Obergeschoß beherbergt Bad, Ankleide und Schlafzimmer. Der Schlafbereich verlagert sich im Vergleich zur ursprünglichen Aufteilung in den der Straße abgewandten Teil und schafft so einen Ort der Ruhe und Erholung. Der einst enge und dunkle Spitzboden wird als zusätzlicher Wohnraum erschlossen und verwandelt sich durch großzügige Dachfenster in eine Licht durchflutete Galerie.

Der Anbau
Der neue Erweiterungsbau aus einer Holzrahmenkonstruktion ist über einen Windfang an das Bestandsgebäude angebunden, der als Hauseingang und Gartenaustritt dient. Sowohl die Süd- als auch die Nordfassade werden zum Teil aus transparenten Bauteilen errichtet. Die Giebelseiten bleiben weitgehend geschlossen. Der Neubauriegel zeichnet sich durch eine offene Raumaufteilung mit Wohn-, Koch- und Essbereich aus. Die Zonierung erfolgt über raumteilende Möbel. Im westlichen Kopf des Riegels ist die Versorgungseinheit des Gebäudes integriert.

Dieser enthält neben dem Haustechnikraum eine Vorratskammer und ein Gäste-WC. Der Riegel geht am westlichen Kopf in einen Carport über, dessen Konstruktion der des Riegels entspricht. Nach Osten hin schließt sich dem Wohnraum ein überdachter Freibereich an, der einen fließenden Übergang zum Garten schafft.

Von Basis bis Premium: Modernisierungsvarianten
Der vorgestellte Entwurf ist eine Premium-Variante. Diese setzt neue Maßstäbe und demonstriert, was heute schon möglich und in Zukunft vielleicht sogar Standard ist. Das LichtAktiv Haus kann als Null-Energiehaus CO2-Neutralität erreichen, ohne dass die Bewohner auf hohe Wohnqualität verzichten müssen. Daneben entwarf das Projekt-Team auch weitere Modernisierungsstufen geringeren Umfangs. Diese verdeutlichen, wie man auch mit kleineren und mittleren Budgets zukunftsweisend modernisieren kann. Genau wie für die Premium-Variante berechnet VELUX auch für die drei alternativen Modernisierungen die Energiebilanz und wird die Ergebnisse in 2011 vorstellen.


LichtAktiv Haus Bautafel
Gebäudeeigentümer: VELUX Deutschland GmbH
Projektträger: VELUX Gruppe
Konzept: Katharina Fey
Entwurfsplanung: TU Darmstadt,
FGee Prof. Manfred Hegger
Ausführungsplanung: Ostermann Architekten
Energiekonzept: HL Technik,
Prof. Klaus Daniels
Lichtplanung: Prof. Peter Andres PLDA
Statik: TSB-Ingenieure,
Prof. Karsten Tichelmann