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Charakter bewahrt, Ausstellungsfläche erweitert

Sensibler Umbau eines Heimatmuseums in der Tradition regionaler Handwerkskunst
Wood-clad house with VELUX roof windows in a green meadow, misty forested mountains behind.

Bezau/Vorarlberg, September 2025. In Bezau in Vorarlberg wurde das denkmalgeschützte Heimatmuseum Bezau behutsam umgebaut und erweitert. Entstanden ist in dem historischen Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert ein lebendiger Ort der Begegnung und Erinnerung – ein neues Stück Öffentlichkeit im Dorf. Mit großem Gespür für den Bestand, regionales Handwerk und gesellschaftliche Einbindung entwickelte das Architekturbüro Innauer Matt Architekten einen Erweiterungsbau, der sich selbstverständlich ins Dorfbild fügt und unter Einsatz von Velux Dachfenstern zeitgemäße architektonische Akzente setzt. Ein Ansatz, der auch die Jury des Velux Architektur-Wettbewerbs 2024/25 überzeugte, die das Projekt zum Sieger kürte.

 

Über Jahre bestand der Wunsch nach einer baulichen Erweiterung des Museums Bezau, das schon seit 1920 in einem Bregenzerwälder Bauernhof beheimatet ist. Die bestehende Ausstellung – thematisch den barocken Baumeistern des Bregenzerwaldes sowie der textilen Handwerkskunst der daheimgebliebenen Frauen gewidmet – war bislang in den Wohnräumen des alten Bauernhauses untergebracht. Was fehlte, waren funktionale, flexibel nutzbare Räume für Wechselausstellungen und Veranstaltungen.

Um diesen Bedarf gerecht zu werden, wurde das ortsansässige Büro Innauer Matt Architekten mit der Planung und Umsetzung beauftragt. Ihre enge Verbindung zur Region sowie ihr Gespür für bauliche, soziale und landschaftliche Gegebenheiten waren essenziell für den sensiblen Umgang mit dem Bestand.

 

Ein gemeinschaftlich getragenes Projekt

Finanziert wurde das mit rund 1,4 Mio. Euro bemerkenswert günstige Projekt durch Gemeindemittel, private Spenden, Materialspenden und zahlreiche Eigenleistungen. „Fast jeder im Dorf hat einen Beitrag geleistet“, erklärt Architekt Markus Innauer. Diese breite Beteiligung sorgte für eine starke Identifikation der Bevölkerung mit dem neuen Museum. Ohne die tiefe Verwurzelung der Architekten in der Region und ihre langjährige, für beide Seiten inspirierende Zusammenarbeit mit den Handwerkern wäre dieser Bau nicht möglich gewesen. Ihr gemeinsames Ziel: weniger Technik, mehr Raumqualität und ein respektvoller Umgang mit der traditionellen Architektursprache – das Museum sollte als Bregenzerwälderhaus erkennbar bleiben, zeitgemäß interpretiert und auf seine öffentliche Nutzung hin gestaltet werden.

 

Diese Haltung zeigt sich auch in der sensiblen Einbindung in die Umgebung. Das Museum steht am Rand des Dorfes, umgeben von gleich großen Wohnhäusern und Wiesen. Vor Beginn des Umbaus bestand es aus einem Wohnhaus mit einem kleinen, ungenutzten Anbau im hinteren Bereich – eine für Bregenzerwald ungewöhnliche Gliederung, die den Wohnbereich sonst direkt mit einem großen Stall kombiniert. Der Anbau ließ sich deshalb durch den neuen zeitgemäß interpretierten Erweiterungsbau ersetzen, ohne den Charakter eines typischen Bregenzerwälderhaus zu schwächen. Von Süden erscheint das Museum als traditionelles Bauernhaus, während die dezente Gestaltung der Nordfassade die Sondernutzung signalisiert.

 

Architektonischer Dialog zwischen Alt und Neu

Das ursprüngliche Haus war eine reine Holzkonstruktion – ein Prinzip, das beibehalten wurde. Die historische Südfassade blieb weitgehend erhalten. An der Westfassade wurden Schindeln ausgebessert und ersetzt. Auf der Ostseite erneuerten die Architekt:innen morsche Teile, ohne den ursprünglichen Ausdruck zu verändern. Zudem entstand dort ein neuer Eingangsbereich. Der Zutritt erfolgt jetzt über eine Schiebetür, die in einen unbeheizten Windfang führt – dahinter liegt eine Glastür zum beheizten Innenraum. Diese traditionelle Lösung ist typisch für alte Bregenzerwälder Bauernhäuser und kommt in klimabewussten Projekten immer wieder zum Einsatz.

Den baufälligen Anbau ersetzten die Architekt:innen durch einen Erweiterungsbau, basierend auf einem konstruktiven Holzbau, das Untergeschoss als vollständiger Massivbau. Holzfasermaterialien wurden zur Dämmung eingesetzt und sorgen im Zusammenspiel mit dreifach verglasten Fichtenholzfenstern für ein energieeffizientes Raumklima. Der Neubau erhielt eine Holzverkleidung aus regionaler Fichte und Tanne und zeigt an der Nordfassade dekorative Versprünge. Auf eine durchgehende horizontale Gliederung zwischen den Geschossen verzichteten die Architekt:innen jedoch. Die neue Eindeckung des Daches mit schwarzen Eternitplatten wurde über alle Gebäudeteile hinweggezogen, um eine einheitliche Wirkung zu erzielen und Alt- und Neubau zu einem stimmigen Ganzen verschmelzen zu lassen.

Im Innenraum entschieden sich die Architekt:innen für einen starken Kontrast zwischen dem gedrungenen, dunklen Bestand und dem hellen, offen gestalteten Neubau. Ziel war es, eine neue räumliche Typologie zu schaffen, die gleichzeitig spannende Licht- und Blickbeziehungen ermöglicht. Während die alten Räume von niedrigen Deckenhöhen und dunklem Holz geprägt sind, schafft der neue Teil mit großzügigen, lichtdurchfluteten Zonen sowie weiß gekalkten Wänden und Massivholzdecken ein völlig anderes Raumgefühl. Drei Velux Dachfenster pro Seite sorgen hier für natürliches Licht. Das Auflösen der durchgehenden Decken betont die Übergänge zwischen Alt und Neu.

Das erste Obergeschoss des Neubaus verfügt über Durchbrüche bis ins Dach entlang der Außenwände. Je drei großzügige Velux Fenster pro Dachseite bringen dort viel natürliches Tageslicht in die sonst spärlich beleuchteten Räume. Diese moderne räumliche Typologie mit vertikalen Öffnungen schafft einen willkommenen Kontrast zu den dunklen, gedrungenen Geschossen im Altbau. Das Auflösen der durchgehenden Decken unterstützt konzeptionell die Stufen, die den neuen Teil mit dem alten verbinden; so konnten im Anbau großzügige Raumhöhen realisiert werden.

Im Dachgeschoss des Altbaus wurde ein zusätzlicher Raum eingefügt, der jedoch nicht bis an die Fassaden reicht. Dadurch entstehen eine räumliche Großzügigkeit sowie spannende Durchblicke nach oben, zwischen den Balken des darunterliegenden Geschosses.

 

Tageslicht als zentrales Gestaltungselement

Die Architekt:innen verfolgen eine konsequente Low-Tech-Strategie: Statt aufwendiger Technik setzen sie auf die Schönheit der Räume, durchdachte Konstruktionen, ein gutes, natürliches Innenraumklima und optimales Tageslicht. Besonders schätzen sie die Satteldachform, wie sie im Bregenzerwald verbreitet ist. In Kombination mit Velux Dachfenstern kann sanftes Tageslicht einfallen und es wird eine natürliche Belüftung ermöglicht. „Wenn ich frische Luft will, mach ich das Fenster auf“, bringt es Markus Innauer auf den Punkt. So werden im Museum auch keine kontrollierte Lüftung und keine überdimensionierte, teure Haustechnik eingesetzt. Stattdessen gibt es Fenster, die man öffnen kann, und helle Räume, die tagsüber nicht künstlich beleuchtet werden müssen. Es entstehen atmosphärische Räume, die den Wechsel der Tages- und Jahreszeiten im Innern spürbar machen. „Wer Dachräume sinnvoll nutzen will, braucht Dachfenster – daher arbeiten wir oft mit Velux Produkten. Sie bringen wertvolles Zenitlicht und ermöglichen eine einfache, natürliche Lüftung“, so Markus Innauer.

 

Das zenitale Tageslicht, das durch die drei Velux Fenster auf jeder Seite einfällt, beleuchtet den Raum im Obergeschoss diffus. Ermöglicht wird dies durch eine Schicht aus weißen Holzlamellen (3 × 3 cm), die mit gleichmäßigem Abstand zueinander angeordnet sind. Dank der diffusen Belichtung von oben blendet auch das Licht in den Fassadenfenstern nicht, wodurch die Ausblicke in die weite, umliegende Landschaft wie von Fensterzargen gerahmte Bilder erscheinen. Der Ausstellungsraum im Obergeschoss des Neubaus ist der Lieblingsraum von Markus Innauer. „Die Lichtführung im Raum ist wunderschön! Beim Hinaufgehen der Treppe gelangt man mittig an und sieht, wie das natürliche Licht sanft an den weiß verkalkten Wänden herabfällt. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass es Tageslicht ist, das je nach Himmelsrichtung immer leicht variiert“, so Markus Innauer.

 

Ausgezeichnete Umsetzung

Seit der Eröffnung verzeichnet das Museum mit weit mehr als 10.000 Besucher:innen deutlich mehr Zulauf als erwartet. Es wurde bereits mit der Denkmalschutzmedaille 2024, dem Vorarlberger Holzbaupreis 2025 und beim Velux Architektur-Wettbewerb 2024/25 ausgezeichnet. Die Jury lobte die „zeitgemäße Interpretation von traditionellem Handwerk und Materialität“, durch die Alt und Neu zu einer „beinahe musikalischen Raum-Lichtkomposition“ verwoben werden. Holzlamellen, die das Tageslicht streuen, und helle Holzoberflächen schaffen ein Raumgefühl, das das Innere in angenehm diffuses Licht taucht und Raumschichten miteinander verschmelzen lässt.

Doch fast entscheidender als Preise und Auszeichnungen: Das Museum wurde zu einem wichtigen, lebendigen Ort für das Dorfleben. Heute finden dort Vereinsversammlungen, Theateraufführungen, Vorträge und Feste statt. Die hohen Besucherzahlen seit der Eröffnung belegen die Attraktivität auch über die Grenzen von Bezau hinaus.

 

Hintergrundinformation: Innauer Matt Architekten

Das Architekturbüro Innauer Matt Architekten wurde 2012 von Markus Innauer und Sven Matt gegründet und hat seinen Sitz in Bezau im Bregenzerwald. Die beiden Architekten studierten in Wien und lebten einige Jahre in Zürich, bevor sie in ihre Heimat zurückkehrten. Ihre Arbeiten sind geprägt von einer tiefen Verwurzelung in der regionalen Baukultur und einem klaren architektonischen Konzeptverständnis. Sie verbinden traditionelle Bauweisen mit zeitgenössischer Sprache, setzen auf Low-Tech-Lösungen und handwerkliche Qualität. Ihr Ziel ist es, Gebäude zu schaffen, die im jeweiligen Kontext – räumlich, kulturell und sozial – verankert sind. Der Umbau des Museums Bezau ist beispielhaft für diese Haltung: präzise, gemeinschaftlich, atmosphärisch.

Bautafel

Projekt Museum Bezau
Baumaßnahme Umbau und Sanierung
Baujahr 18. Jahrhundert
Dauer Umbau September 2022 – April 2024
Baukosten 1,4 Mio. Euro
Nutzfläche Neubau 206 m² + UG 67 m² (Neubau)
Ort Ellenbogen 181
6870 Bezau, Österreich
Bauherrschaft Museumsverein Bezau
Ellenbogen 181
6870 Bezau, Österreich
Architekten Innauer Matt Architekten ZT GmbH, Bezau
Kriechere 70
6870 Bezau, Österreich
Holzbau Kaspar Greber Holz- und Wohnbau GmbH, Bezau
Trocken-Innenausbau / Fassade Zimmerei Beer, Bezau
Schindelfassade Schindel Hutle, Schnepfau
Dachdecker Dachdecker Moosbrugger Dach GmbH, Bezau
Dacheindeckung Eternit
VELUX Produkte 6 x elektrisch betriebene VELUX Schwingfenster aus Holz 78 x 98 cm mit Eindeckrahmen Schiefer Stehfalz (EDS)
Fassade Holzfassade aus heimischem Fichtenholz, sägerau und naturbelassen
Innenausbau
  • Sichtbare Massivholzdecke – weiß gekalkt
  • Verkleidung / Wandtäfer aus heimischer Weißtanne – sägerau und weiß gekalkt
Fußböden
  • Riemenboden Holz, heimische Fichte sägerau, Trockenaufbau
  • UG geschliffener Beton
Auszeichnungen
  • 1. Platz Velux Architektur-Wettbewerb 2024/25
  • Denkmalschutzmedaille 2024
  • Vorarlberger Holzbaupreis 2025

velux_obj_museum_bezau_250911

Wood-clad house with VELUX roof windows in a green meadow, misty forested mountains behind.
Weathered wooden house facade with shutters, lace curtains, and textured shingle cladding.
Old attic landing with open door leading to a bright renovated wooden room with small window.
Rustic wooden kitchen workshop with peeling paint, pottery shelves and sunlight through a curtained window.
Timber house with slate roof and three VELUX roof windows, woman opening large sliding door.
Minimal wooden corridor linking rustic beams to a bright modern doorway.
Light timber corridor with steps leading to rustic wooden walkway and window at the end.
Minimal attic gallery with VELUX roof window lighting pale wood displays and framed pictures.
Minimal museum corner with wooden display cases lit by high VELUX roof window.
Bright white corridor with tall ribbed sloped ceiling and simple wall spotlights.
Light attic workspace with sloped white ceiling and pale wooden desk and shelving.
Close-up of Museum Bezau wooden facade with vertical cladding and hanging yellow sign.
Minimal gallery room with tall windows overlooking green fields and mountains.
Tall wooden-framed bedroom window with view of green field and hills.
Timber-clad gable house in a green valley with misty forested mountains behind.
Bright minimalist attic with sloped ceiling and central yellow fabric screen.
Person reading wall text behind a sheer fabric panel in a bright minimalist gallery.
Bright wooden hallway leading to a darker rustic room with an open door and small window.
Close-up of pale wooden cabinet legs crossing over light timber floorboards
Modern country houses with dark shingle roofs in a green valley below a forested cliff.
Corner of a house with overlapping wooden shingles and rustic shutters above green plants.
Weathered wooden barn with exposed timber frame and steep gable roof in rural setting.
Snowy residential house extension with scaffolding and crane on a winter construction site.
Worker installing wooden subfloor in unfinished living room with large garden-facing windows.
Minimal site plan of small village with outlined houses, road and trees.
Minimal site plan of small village with outlined houses, road and trees.
Architectural cross section of a gable‑roof single‑family house with basement and attic.
Architectural attic floor plan with central VELUX roof window and surrounding rooms.
Architectural cross-section of a gable-roof farmhouse with basement and attic levels.
Line drawing of a gable-roofed barn with vertical cladding and a tall narrow central window.
Floor plan of a modern home with open living area, kitchen, bedrooms and central bathroom.
Simple architectural floorplan of a single‑family house with central staircase and grouped rooms.
Architectural cross section of pitched roof with integrated VELUX roof window and insulation layers.
Man in suit standing in front of a closed VELUX roof window.

Verfasst von

Maik
Seete
Kommunikation Märkte Nordeuropa

Veröffentlicht

Sep 29, 2025

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